4. März 2022 ARMIN ON BIKE

Von der Gamsstadt in die Großstadt | Elektrisierender Städtetrip mit dem Audi Q4 e-tron

Audi Q4 e-tron in front of Hofburg Vienna | Photo: Armin Hoyer

Kitzbühel | Wien – Mit dem Q4 e-tron erweitert Audi seine rein elektrisch angetriebene Flotte um einen Kompakt-SUV, mit dem eine breite Kundenschicht angesprochen werden soll. Ich durfte die Premium-Variante des gemeinsam mit dem VW ID.4 und Škoda Enyaq iV gebildeten Mittelklasse-Trios des Volkswagen Konzerns zwischen Kitzbühel und Wien für Euch testen…

Die 1947 gegründete Porsche Holding Salzburg ist als 100-Prozent-Tochter der Volkswagen AG das größte Automobilhandelsunternehmen Europas. Als Teil der Holding fungiert Porsche Austria als österreichischer Generalimporteur für die Volkswagen-Marken VW, Audi, Seat, Škoda und Porsche. Die zum Konzern gehörige Automobilhandelskette Porsche Inter Auto verkauft die Fahrzeuge österreichweit an 53 Standorten.

Ich durfte den heckgetriebenen Audi Q4 40 e-tron „Edition One Geysirblau“, der mit seinen mächtigen 21-Zoll-Rädern im Aero-Design und ausgestellten Radkästen sehr dynamisch daherkommt, im vergangenen Herbst aus der Zentrale in Salzburg abholen. Die 82 kWh-Batterie des 150 kW (204 PS) starken E-SUVs war bereits an dem hauseigenen Kreisel Power Charger von Moon Power voll aufgeladen worden und so konnte es direkt zurück nach Hause ins Pillerseetal gehen.

DIE ELEKTRISCHE REISE BEGANN AM FUSSE DES HAHNENKAMMS

Mit meiner Fahrt von der Gamsstadt in die Großstadt wollte ich herauszufinden, ob es möglich sei, vom Parkplatz der Hahnenkammbahn in Kitzbühel mit einer Akkuladung bis nach Wien, in meinem Fall in den 17. Bezirk, zu gelangen. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Strecke für die Zielgruppe des Audi Q4 e-tron eine gewisse Relevanz hat, ganz nach dem Motto: „Nach dem Aufenthalt im Feriendomizil ohne Stopp, rein elektrisch nach Hause kommen.“

Gesagt, getan, begab ich mich mit dem Elektro-SUV aus Ingolstadt nach Kitzbühel, um an der 50 kW-Smatrics-Schnellladestation am Fuße des Hahnenkamms vollzutanken. Normalerweise ist das Gleichstromladen bis 80 Prozent SoC am effizientesten, da in der Folge die Ladeleistung stark abnimmt. Für den Test war jedoch eine volle Antriebsbatterie erforderlich. So startete ich den CCS-Ladevorgang bei 75 Prozent. Nach exakt 53:33 Minuten waren 20 kWh geliefert und der Akku voll. Wie gesagt, eine ohnehin schon ziemlich volle Batterie bis 100 Prozent zu laden, hat so seine Nachteile. Der herrliche Blick auf die Kitzbüheler Streif, dem Schauplatz des alljährlich stattfindenden Hahnenkamm-Rennens, entschädigte mich jedoch für die Wartezeit.

ÜBER DAS KLEINE DEUTSCHE ECK AUF DIE WESTAUTOBAHN

Die Reise führte mich über St. Johann in Tirol und Lofer zuerst bis zur deutschen Grenze. Das im Wagen eingebaute Fahrdynamiksystem, erlaubte es mir, die Fahrzeugabstimmung optimal auf meine Bedürfnisse anzupassen. Für die Fahrt nach Wien wählte ich den Modus „comfort“, der sich besonders beim Ansprechverhalten des Fahrwerks bemerkbar machte. Damit wurden die meisten Unebenheiten komfortabel weggebügelt. Das System regelt passend zum jeweiligen Modus auch noch weitere Eigenschaften des Fahrzeugs, wie zum Beispiel das Ansprechverhalten der Lenkung und des Motors.

Nach dem „Kleinen Deutschen Eck“ hatte ich in Wals mittlerweile die A1 erreicht. Im zentralen 11,6-Zoll-Display mit Touchfunktion zeigte mir die Tourplanung des Navigationssystems an, welche Ladestopps ich für ein optimales Erreichen meines Ziels einlegen sollte. Im aktuellen Fall wurde mir ein 19-minütiger Stopp nach 179 Kilometern bei der 150 kW Ultra-Highspeed-Ladestation OMV Blindenmarkt empfohlen. Man hat die Wahl, die Karte des Navis auch im digitalen 10,25-Zoll-Kombiinstrument anzeigen zu lassen. Eine weitere mögliche Ansicht sind die Informationen zum Adaptiven Fahrassistenten, der Geschwindigkeit und Abstand unter Berücksichtigung des Tempolimits und Streckenverlaufs automatisch regelt. Unter optimalen Bedingungen hält der Wagen auch ohne eigene Lenkbewegungen die Spur. Dies funktionierte im Test bis zu den derzeit üblichen Systemgrenzen einwandfrei.

Mit fortschreitender Fahrt zeichnete die Reichweitenprognose ein immer positiveres Bild, sodass ich beschloss, doch den Versuch zu wagen, ohne Ladestopp durchzufahren. Den Knoten Steinhäusl und damit den höchsten Punkt im letzten Reiseabschnitt erreichte ich mit 11 Prozent SoC und einer prognostizierten Restreichweite von 40 Kilometern. Da hatte ich noch 31 Kilometer zurückzulegen. Vorgabe für den Test war aber, mich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten, also keine verbrauchsoptimierte Sparfahrt zu machen. Dieser Plan ging auch fast auf. Da sich die Reichweitenreserve auf der A1 bis Pressbaum bei 130 km/h trotz leicht abfallender Strecke weiter reduzierte, beschloss ich das Tempo immer wieder kurzzeitig auf 110 km/h zu drosseln, um sicher und ohne Ladestopp anzukommen.

MIT 5 PROZENT GUT IN WIEN GELANDET

Nach viereinhalb Stunden Fahrzeit inklusive einer kurzen Pause hatte ich die 369 Kilometer von Kitzbühel nach Wien tatsächlich mit einer Akkuladung geschafft. Ich war vor dem Haus eines guten Freundes am Stadtrand des 17. Wiener Gemeindebezirks angekommen. Der Akkustand betrug 5 Prozent, die prognostizierte Restreichweite 20 Kilometer. Der durchschnittliche Verbrauch war mit 19,0 kWh/100 km in Anbetracht des hohen Autobahnanteils, den ich weitgehend mit 130 km/h zurückgelegt hatte, beachtlich niedrig.

VERBRAUCHSOPTIMIERTE AERODYNAMIK

Einen wichtigen Beitrag zum niedrigen Verbrauch liefert das ausgefeilte Aerodynamikpaket, das dem Audi Q4 e-tron einen cw-Wert von 0,28 beschert. Entscheidender Faktor ist die Linienführung, die nach hinten hin schmäler wird. Die Kühllufteinlässe werden nur bei Bedarf geöffnet, damit der Wagen dem Fahrtwind stets eine möglichst strömungsgünstige Angriffsfläche bietet. Dazu ist der Unterboden weitgehend glattflächig ausgeführt. Die ausgeklügelten Maßnahmen führen sogar soweit, dass die Lenker der Hinterachse strömungsgünstig verkleidet sind und an der Front schmale, als Vorspoiler dienende, Stege den sauberen Luftstrom fördern. Den hinteren Abschluss des Unterbodens bildet ein breiter Diffusor, der den Auftrieb an der Hinterachse verringert. All diese Maßnahmen sollen einen Reichweitengewinn von rund 25 Kilometern bringen.

ERSTER TAG IN WIEN

Da ich im Haus des Freundes für die nächsten Tage mein Quartier aufschlagen durfte, war es optimal, dass sich in der Garage neben einem Elektroauto amerikanischen Fabrikats auch eine 3-phasige Wallbox zum Laden befand. So konnte ich der Batterie des Q4 e-tron am nächsten Morgen ein wenig elektrische Energie gönnen, um entspannt und ohne Reichweitenangst in den ersten Testtag in Wien starten zu können. An einer Gleichstrom-Ladestation für das eigene Zuhause ist eine Ladeleistung von bis zu maximal 22 kW möglich. Mit einem Stromstromstärke von 10 Ampere waren es im aktuellen Fall 6,9 kW. Ich erreichte beim Laden einen Durchschnitt von 6 kW und so wurde der Akku in 2:18 Stunden von 5 auf 19 Prozent aufgeladen. Bereit für die Fahrt standen heute neben der Innenstadt und dem Naschmarkt auch die neuen, modernen Wohngegenden Nordbahn- und Sonnwendviertel auf dem Programm.

ULTRA-SCHNELLLADEN AM VERTEILERKREIS

Nach 25 Kilometern im Stadtgebiet erreichte ich die Smatrics-Ladestation am Verteilerkreis. Die im Mai 2018 gemeinsam mit Projektpartner Wien Energie eröffnete 350 kW-Station in Wien-Favoriten war der erste Ultra-Schnellladestandort Österreichs. Laut aktuellen Angaben des Unternehmens Smatrics EnBW kommen bis Ende 2022 zu den aktuell knapp 250 Ladepunkten noch weitere 150 sogenannte High Power Charger (HPC) mit einer Ladeleistung von bis zu 300 kW dazu. Bis 2030 soll das größte öffentliche Ladenetz Österreichs jedes Jahr um 100-150 weitere HPC Ladepunkte erweitert werden.

Während der Mittagspause erstarkte die Hochvoltbatterie des Ingolstädter aus Zwickau in 38:51 Minuten von 15 auf 80 Prozent SoC. Dabei kamen 51 zusätzliche kW in den Tank. Mit einer erzielten maximalen Ladeleistung von 95 kW war in Anbetracht der beim Q4 e-tron möglichen 125 kW noch ein wenig Luft nach oben. Ab dem Q4 40 e-tron ist die größere der beiden für den Stromer verfügbaren Batterien mit einer Kapazität von 76,6 kWh netto (82 kWh brutto) verbaut. Diese verfügt über zwölf Zellmodule mit aktivem Thermomanagement und außenliegender Kühlung über die Bodenplatte.

KLASSISCHER INNENRAUM MIT VIEL PLATZ

Beim ersten Einsteigen wird einem trotz der Neuartigkeit des Fahrzeugs sofort klar, dass es sich um einen Audi handelt. Vielleicht würde sich der eine oder andere bei einem Stromer eine etwas futuristischere Gestaltung des Innenraums erwarten, Audi-Fans werden sich jedoch sofort wie zuhause fühlen. Äußerst modern gestaltet sich die Bedienung des Doppelspeichenlenkrads. Nach kurzer Eingewöhnungszeit wurde das neuartige Drücken und Wischen der Touch-Flächen für mich zur Selbstverständlichkeit. Hilfreich war dabei das haptische Feedback und die Abgrenzung der einzelnen Bereiche durch leichte Erhebungen. Ansonsten bei der Bedienung alles wie gewohnt.

Die neue Plattform MBE (E-Antriebsbaukasten), auf der die kompakten Elektro-SUVs des Volkswagen Konzern basieren, ermöglicht im Q4 e-tron eine neue Raumaufteilung. Antrieb und Hochvoltbatterie benötigen wenig Platz und ermöglichen vier Passagieren ein großzügiges Raumangebot, das bisher nur in Oberklasse-SUVs zu finden war. Zur dazu passenden Beschallung der Insassen verfügt das eingebaute Sonos Premium Sound System mit 580 Watt Leistung über zehn Hochleistungslautsprecher mit Centerspeaker und Subwoofer. Gesteuert wird das Ganze über einen eigens für ein authentisches Klangerlebnis entwickelten Sound-Algorithmus. Auch das Gepäck kommt nicht zu kurz. Mit einem Kofferraumvolumen von 520 Litern, das durch Umklappen der teilbaren Lehne auf 1.490 Liter erweitert werden kann, ist für ausreichend Platz gesorgt.

Natürlich durfte bei einem Testtag in der Bundeshauptstadt neben dem Sonnenuntergang bei der Hofburg auch ein Besuch des traditionellen Hotel Sachers nicht fehlen. Nach einem freundlichen Empfang gönnte ich mir im Café Sacher Eck eine Original Sachertorte mit der dazugehörigen Sacher Melange.

MAH, DER PICKT – FAHRWERKSTEST AUF DER LEGENDÄREN WIENER HÖHENSTRASSE

Am zweiten Tag war ein Test auf der berüchtigten Pflastersteinstrecke der Wiener Höhenstraße angesagt. Die kurvenreiche Strecke Richtung Kahlenberg beginnt knapp oberhalb des bekannten Heurigenorts Grinzing kurz nach der Ortstafel „Wien Ende“. Schon in der ersten 180-Grad-Kehre wurde mir klar, dass es sich beim Q4 e-tron nicht nur um ein komfortables Reisefahrzeug handelt. Die Straßenlage war auch ohne der zusätzlich erhältlichen elektronischen Dämpferregelung phänomenal, das Auto klebte mit seinem 15 Millimeter tiefergelegten Sportfahrwerk förmlich auf der Straße. Die Grenze der möglichen Kurvengeschwindigkeit lag nicht am Fahrwerk des E-SUVs, wie ich eigentlich erwartet hätte, sondern vielmehr an der vernunftorientierten Motorisierung. Die Progressivlenkung, die mit zunehmenden Lenkeinschlag direkter wurde, unterstrich das sportlichen Handling noch zusätzlich.

Angekommen an der Weggabelung Kahlenberg-Schloss Cobenzl bog ich links in Richtung Himmelstraße ab. An einem bekannten Aussichtspunkt bot sich mir inmitten der Sieveringer Weinberge ein herrlicher Blick über die herbstliche Stadt. Am nächsten Tag trat ich die Heimfahrt nach Tirol Richtung Norden über die Donauufer Autobahn mit einem Akkustand von 18 Prozent an. Für die in den vergangen beiden Tagen im Stadtgebiet zurückgelegten rund 200 Kilometer hatte sich ein Durchschnittsverbrauch von 20 kWh/100 km ergeben. Der Weg führte mich nach Stockerau, wo ich nach 23 Kilometern den ersten Ladestopp bei der Smatrics Schnellladestation McDonald´s Stockerau einlegte.

LADESTOPPS AUF DER FAHRT RETOUR NACH TIROL

Mit 13 Prozent SoC dort angekommen konnte ich an der 300 kW-Ladesäule mit einer maximalen Ladeleistung von 113 kW in 37:12 Minuten auf 80 Prozent und in 47:05 Minuten weiter auf 90 Prozent aufladen. Damit kam ich der maximalen Ladeleistung des Q4 e-tron von 125 kW schon wesentlich näher als am Verteilerkreis Favoriten. Im Anschluss fuhr ich auf der S5 gen Westen und gelangte über die S33 bei St. Pölten wieder auf die A1. Als praktisches Detail erwies sich dabei das Augmented Reality Head-up-Display, das Navigationssymbole und andere Informationen, wie über der Fahrbahn schwebend, direkt im Blickfeld erscheinen lässt.

Bei einem weiteren Ladestopp an der Smatrics 350 kW-Ladestation am Parkplatz des McArthurGlen Designer Outlets Salzburg erreichte ich nach anfänglichen Startschwierigkeiten an einer zweiten Ladesäule mit 121 kW die höchste Ladeleistung im Test. In 32:07 Minuten konnte ich von 18 auf 80 Prozent aufladen, was auch auf der Langstrecke einen sehr praxistauglichen Wert darstellte. In der Zeit flossen 47 kWh in den Tank. Beim ersten Ladeversuch beginnend bei 6 Prozent SoC war während 22 Minuten nur eine maximale Ladeleistung von 31 kW möglich.

Bei nächtlicher Fahrt ist die Leuchtstärke der Matrix-LED-Scheinwerfer beeindruckend. Die 16 Einzel-LEDs leuchten möglichst große Flächen der Fahrbahn und Umgebung nahezu taghell aus, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Anfänglich fast ein wenig irritierend, wenn es plötzlich einmal da und einmal dort hell wurde, gewöhnte ich mich rasch an die fortschrittliche Lichttechnologie. Dieser verdankte ich ausgezeichnete Sichtverhältnisse am Heimweg durch das nächtliche Saalachtal.

ARMIN ELECTRIC CONCLUSIO

Der Audi Q4 e-tron erwies sich im Test als ausgewogener Stromer mit einem sehr breiten Einsatzspektrum. Auf der einen Seite sehr komfortabel auf Reisen, auf der anderen überzeugte das Fahrwerk auch im sportlich ambitionierteren Einsatz mit einer überragenden Straßenlage. Die 150 kW-Motorisierung des Testfahrzeugs kam da zwar nicht ganz mit, für den Alltag ist sie jedoch mehr als ausreichend. Mit einem Verbrauch von 20,9 kWh/100 Kilometer auf der 960 Kilometer Reise von Kitzbühel nach Wien und retour mit hohem Autobahnanteil bewies sich der kleine e-tron als durchaus reisetauglich. 300 zusätzliche Testkilometer auf Bundesstraßen mit einem Durchschnittsverbrauch von gerade einmal 16,0 kWh/100 Kilometer unterstrichen die hohe Effizienz des kompakten E-SUV.

Ein alles in allem sehr stimmiges Gesamtpaket, mit jedoch einem Wehrmutstropfen: die bei Audi bekannte Aufpreispolitik. Liegt der Grundpreis des Audi 40 Q4 e-tron mit aktuell 50.243 Euro noch in einem nachvollziehbaren Bereich, lag der Verkaufspreis der getesteten Version mit knapp über 73.000 Euro für einen Kompakt-SUV schon jenseits von Gut und Böse. Dazu kam noch, dass die in dieser Preisklasse üblichen Serienausstattungen wie zum Beispiel induktives Laden des Smartphones, elektrische Heckklappe und Rückfahrkamera nicht enthalten waren. Wer sich jedoch davon nicht abschrecken lässt und in der Aufpreisliste bei den erwähnten Punkten noch ein paar Kreuzerl mehr macht, wird mit einem echten Premium-Fahrzeug belohnt, das in jeder Lebenslage Freude und richtig Lust auf Elektromobilität macht.

Text und Fotos: Armin Hoyer – arminelectric.com
Fotos mit Armin: Lunte

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