3. September 2020 ARMIN ON BIKE

„Maximum Warp, Mr. Sulu“ | Elektromotorrad Energica Eva Ribelle dringt in neue Dimensionen vor

Armin on Energica Eva Ribelle | Photo: Armin Hoyer - arminonbike.com

Wien | Österreich – Die Energica Eva Ribelle ist das derzeit stärkste Elektromotorrad am Markt. Wenige Modelle haben bisher Österreich erreicht. Ich hatte die Möglichkeit den E-Streetfighter in Wien und Umgebung zu testen. Beeindruckend was dieses katapultartige Gefährt zu leisten vermag…

Ich durfte die Energica Eva Ribelle bei VERTICAL eMobility in Wien für einen Test abholen. Das brandneue Elektromotorrad des einzigen Energica-Händlers in Österreich war gerade mal sechs Kilometer gelaufen. Ich war schon zuvor einige Elektromotorräder mit derart hoher Leistung gefahren, die Rebellin aus Modena übertraf sie aber alle.

BESCHLEUNIGUNG UND DURCHZUG ÜBERTRIFFT SUPERSPORTLER

Gleich zu Beginn fiel mir die angenehme, aufrechte aber trotzdem sportliche Sitzposition auf. Das Bike ist vergleichsweise breit gebaut, was beim Knieschluss anfänglich ein wenig ungewohnt erschien. Nachdem ich das Stadtgebiet verlassen hatte, konnte ich erstmals die Beschleunigung ein wenig austesten. Sie ist so brachial, wie ich dies bei keinem Motorrad zuvor erlebt hatte. Begleitet wird sie vom metallischen Surren des gerade verzahnten Getriebes, das in der Lautstärke ebenfalls die E-Mitbewerber übertrifft und für meinen Geschmack etwas zu laut ist.

Der ölgekühlte Permanentmagnet-Wechselstrommotor leistet 107 kW/145 PS und ein von der ersten Motorumdrehung zur Verfügung stehendes Drehmoment von gewaltigen 215 Nm. Damit werden Beschleunigungs- und vor allem Durchzugswerte von Verbrenner-Supersportlern mit einer Leistung jenseits der 200 PS-Marke übertroffen. Lediglich bei der Höchstgeschwindigkeit gibt es eine Einschränkung, diese ist elektronisch auf 200 km/h abgeregelt.

FAHRWERK UND ELEKTRONIK AM LETZTEN STAND

Das in meinem Testbike verbaute, optional verfügbare Öhlins-Fahrwerk war sportlich straff abgestimmt. In schnelleren Kurven drängten die 274 Kilogramm der Eva Ribelle etwas nach außen, dies sollte aber mit ein wenig Eingewöhnung kein größeres Problem darstellen. Ansonsten ist das hohe Gewicht auch Dank des tiefen Schwerpunkts in Bewegung kaum wahrzunehmen. Auch im innerstädtischen Geschlängel durch den Verkehr ist der E-Streetfighter sehr handlich zu bewegen. Zur besseren Handhabung des hohen Gewichts im Stand, verfügt die Ribelle über eine Rangierhilfe mit 2,8 km/h, die sowohl vorwärts als auch rückwärts funktioniert.

Bei Bedarf wird mit Brembos kräftig und gut dosierbar verzögert. Vorne mit zwei 4-Kolben-Radialbremssätteln auf 330 mm-Scheiben, hinten mit einem 2-Kolbenbremssattel auf einer 240 mm-Scheibe. Das abschaltbare ABS ist sehr sicher ausgelegt, es greift am Vorderrad vergleichsweise früh ein. Die sechsstufige Traktionskontrolle ist ebenfalls abschaltbar. Auf Stufe 1 verspürte ich bei voller Beschleunigung leichten Schlupf am Hinterrad. Im Vergleich zu anderen Premium-Elektromotorrädern überträgt eine Kette anstelle eines Zahnriemens die Kraft auf das Hinterrad.

Die vier Mappings Eco, Urban, Rain und Sport stellen unterschiedliche Leistung und Drehmoment zur Verfügung, um die Performance des Bikes an die äußeren Gegebenheiten anpassen zu können. Durch Rekuperation wird im Schiebebetrieb Energie in den Akku zurückgeführt. Diese ist in drei Stufen einstellbar oder kann gänzlich abgeschaltet werden. Für mich war „Low“ die optimale Stufe, bei „High“ fühlte sich die Verzögerung unnatürlich stark an.

REICHWEITEN UND LADEMÖGLICHKEITEN

Energica gibt in der Stadt 400, über Land 180 und kombiniert eine Reichweite von 230 Kilometern an. In der Praxis kann ich dazu nach dem ersten kurzen Test noch wenig sagen, nur dass die prognostizierten Reichweitenangaben sehr stark variierten. Auf den insgesamt 50 Kilometern Fahrt über Land und in der Stadt wurde mir zu Beginn eine Gesamtreichweite von 97 Kilometern, 220 zwischendurch und am Ende 134 Kilometer angezeigt. Auch die Anzeige des durchschnittlichen Verbrauchs variierte zwischen 6,3 und 12,4 kWh/100 km. Alles in allem waren die Angaben damit nicht sehr aussagekräftig.

Die Eva Ribelle verfügt über vielfältige Lademöglichkeiten für den 21,5 kWh Lithium-Polymer-Akku. Mit dem integrierten Ladegerät kann mit Wechselstrom an Haushaltssteckdosen und an Typ2-Ladestationen mit maximal 3 kW geladen werden. Damit ist der Akku in gut sechs Stunden vollgeladen. Mit Gleichstrom geht es an CCS-Schnellladestationen wesentlich schneller. Schon nach einer Stunde kann man mit vollem Akku wieder loslegen.

ARMIN ON BIKE CONCLUSIO

Die Energica Eva Ribelle ist das Elektromotorrad mit dem größten Akku und den beeindruckendsten Fahrleistungen am Markt. Diese sind mit jenen der stärksten Verbrenner-Superbikes vergleichbar und übertreffen sie sogar in einigen Bereichen. In Kombination mit Abgasfreiheit und wesentlich geringerer Geräuschentwicklung stellt dieses Elektromotorrad eine sehr zeitgemäße Alternative zu benzinbetriebenen Zweirädern dar.

Die italienische Rebellin ist in den Farben „Stealth Grey“ und „Rosso Corsa“ erhältlich und kostet in Österreich ab 27.532 Euro. Der Preis des Testbikes mit Karbon-Kotflügeln und Öhlins-Fahrwerk beträgt 31.177 Euro. Davon kann noch jeweils die E-Mobilitätsförderung von 1.200 Euro abgezogen werden.

Text, Fotos und Video: Armin Hoyer – arminonbike.com

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