7. April 2021 ARMIN ON BIKE

Honda e Advance | Gokart-Feeling elektrisch erleben

Honda e in Kitzbühel | Photo: Armin Hoyer - arminonbike.com

Tirol – Honda bietet bereits seit der Jahrtausendwende Hybridfahrzeuge an und ist damit ein Pionier dieser Antriebsform. Bei den rein elektrisch angetriebenen Automobilen sind sie eher spät dran und haben erst im letztem Jahr den Honda e auf den Markt gebracht. Grund genug für mich, diesen außergewöhnlichen Kleinwagenden mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen…

Für den Test durfte ich mir den Honda e in der Version „Advance“ für ein paar Tage vom Autozentrum Kufstein Zell ausborgen. Das minimalistische Design mit den klaren Linien faszinierte mich gleich von Beginn an. Dieser Eindruck wurde durch das „Side Camera Mirror System“, bei dem kleine Kameras die beiden Außenspiegel ersetzen und die bündigen Türgriffe noch verstärkt. Aber dem noch nicht genug, verfügen die LED-Beleuchtungseinheiten vorne und hinten über ein einheitliches Design und der Ladeanschluss unter der Motorhaube ist mit transparentem Glas abgedeckt.

FAHRDYNAMIK ZUM RICHTIG SPASS HABEN

Der Elektromotor des Honda e Advance leistet 154 PS (113 kW) und verfügt über ein Drehmoment von 315 Nm. Damit ist der Sprint von null auf 100 km/h in 8,3 Sekunden geschafft. Ein Wert, der im Alltag zum Spaß haben mehr als ausreicht. Da sich der Akku vollständig im Fahrzeugboden befindet, liegt der Schwerpunkt des Fahrzeugs nur 50 Zentimeter über dem Boden. Die dazu vergleichsweise breite Spur und die Gewichtsverteilung von 50:50 verleihen dem Honda e zugleich Fahrstabilität und agiles Handling. Der Heckantrieb steigert die Sportlichkeit und hält Antriebseinflüsse von der Lenkung fern. Einen kräftigen Tritt aufs Fahrpedal in einer engen Kurve quittiert der kleine Sportler dann schon mal gerne mit einem leichten Ausbrechen der Hinterachse.

Die außergewöhnliche Handlichkeit zeigt sich auch beim Wendekreis, der nur 8,6 Meter beträgt. Im Vergleich dazu liegt dieser Wert beim Fiat 500 Elektro bei 9,7 Meter. Positiv auf das Fahrverhalten wirkt sich auch die MacPherson-Einzelradaufhängung mit geschmiedeten Aluminiumkomponenten aus. Für eine ausreichende Verzögerungsleistung sorgen belüftete 15 Zoll Bremsscheiben vorne. Der Testwagen war mit 17 Zoll Winterreifen ausgestattet. Im ersten Moment stellte sich mir die Frage, wozu ein Elektroauto Schaltwippen am Lenkrad braucht. Diese haben hier als sogenannte Bremswippen die Funktion, die Intensität der Verzögerung und damit der Rekuperation einzustellen, wenn man vom Fahrpedal geht. Dies ist sowohl im normalen Fahrbetrieb als auch beim One Pedal Driving möglich, bei dem das Bremspedal nur noch bei besonders starken Bremsmanövern betätigt werden muss. Die leichteste Stufe hat sich für mich als optimal herausgestellt. Der Honda e stellt auch zwei unterschiedliche Fahrmodi zur Verfügung, im Sport-Modus ist das Ansprechverhalten gegenüber dem Standard-Modus noch etwas direkter.

FUTURISTISCHE INNENAUSSTATTUNG ZUM WOHLFÜHLEN

Nähert man sich dem Fahrzeug mit der schlüssellosen Fernbedienung, wird es entriegelt und die in die Karosserie eingelassenen Türgriffe springen aus der Versenkung. Einmal im Inneren Platz genommen, hat man Blick über ein mehrteiliges Display, dass sich praktisch über das gesamte Armaturenbrett erstreckt. Links und rechts bilden die beiden 6 Zoll Displays der Kameras für die Außenspiegel den Abschluss. Sie sind so optimal platziert, dass ich mich sofort wohl fühlte damit. Der Innenspiegel kann durch Klappen, das man ansonsten vom Abblenden kennt, zwischen der normalen Spiegelfunktion und dem Bild der zentralen Rückfahrkamera hin und her geschaltet werden. Direkt vor sich hat man die 8,8 Zoll große TFT-Instrumentenanzeige mit allen wichtigen Fahrinformationen. Das Layout kann individuell angepasst werden. In der Mitte des Armaturenbretts befinden sich zwei 12,3 Zoll Touchscreens, über die nahezu alle Funktionen gesteuert werden können.

Auf den kleinen Bildschirmen links und rechts davon haben Fahrer und Beifahrer die Möglichkeit, ihre favorisierten Apps direkt anzusteuern. Dazu zählen auch die Anwendung des kabellos gekoppelten Smartphones. Der Bildschirmhintergrund kann individuell gestaltet werden. Auch eigene Inhalte können dazu hochgeladen oder über die HDMI-Schnittstelle direkt von einem Computer angezeigt werden. Häufig verwendete Funktionen wie zum Beispiel die Einstellung der Klimatisierung oder die Lautstärkeregelung können zusätzlich über Tasten und Regler manuell vorgenommen werden.

Die verwendeten Materialien im Innenraum sind modern und hochwertig. Die Sitze sind komfortabel und bieten ausreichend Seitenhalt. Das angenehme Material der Sitzbezüge wirkt sehr einladend, die Rückbank gleicht ein wenig einem Sofa. Darüber hinaus wird der wohnliche Charakter noch durch mehrere kleine Leuchten im Dachhimmel und die Verkleidungen in Holzoptik unterstrichen. Was mir bei all den Annehmlichkeiten ein wenig abging, waren die fehlende Mittelarmlehne und eine Ablage zum induktiven Laden des Smartphones.

JEDE MENGE ASSISTENZ- UND SICHERHEITSSYSTEME

Unter dem Begriff „Honda Sensing“ ist eine umfangreiche Anzahl an Systemen zusammengefasst, die zur Fahrsicherheit beitragen. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung ermöglicht die automatische Einhaltung einer eingestellten Geschwindigkeit unter Berücksichtigung des gewünschten Abstandes zum vorausfahrenden Fahrzeug. Sollte das Fahrzeug dabei zum Stillstand kommen, wird man benachrichtigt, sobald sich der Verkehr wieder in Bewegung setzt. Dabei verhindert ein Kollisionswarnsystem, dass beim Anfahren plötzlich beschleunigt wird, wenn sich ein Hindernis auf der Fahrbahn befindet. Bei niedrigen Geschwindigkeiten kann das System bei Bedarf eine Notbremsung einleiten. Der aktive Spurhalteassistent hält den Wagen ab einem Tempo von 72 km/h automatisch in der Spur. Dies funktioniert grundsätzlich gut, kann aber auch ohne Vorwarnung plötzlich ausfallen, wodurch man sich nicht darauf verlassen darf. Nimmt man die Hände währenddessen vom Lenkrad, wird man aber ohnehin umgehend darauf hingewiesen, dies zu unterlassen. Weitere Sicherheitsfeatures sind die Verkehrszeichenerkennung und der Fernlichtassistent, der im Bedarfsfall automatisch abblendet.

AKKU, REICHWEITE, LADEN

Der 35kWh-Akku des Honda e stellt netto 28,5 kWh zur Nutzung zur Verfügung. Bei meinem Testverbrauch von durchschnittlich 18,5 kWh/100 km bedeutete dies eine mögliche Reichweite von rund 150 Kilometer, was mir auch als Prognose angezeigt wurde. Die Temperaturen lagen im Testzeitraum zwischen knapp unter null und 15 Grad. Bei wärmeren Temperaturen zeigte sich ein eindeutiger Trend zu geringerem Verbrauch, somit sollten im Sommer zwischen 170 und 180 Kilometer möglich sein. Laut WLTP verfügt der Honda e Advance mit 17 Zoll Rädern über eine Reichweite von 210 Kilometern.

An einer Haushaltssteckdose mit 2,3 kW Ladeleistung benötigt eine Ladung von 0 auf 100 Prozent um die 16 Stunden, bei mir lud der Akku in neun Stunden von 50 auf 100 Prozent. Damit kann man im Normalfall über Nacht ausreichend Reichweite für den nächsten Tag tanken. An einer Typ-2-Ladestation ist einphasiges Laden mit bis zu 6,6 kW möglich. Ich habe bei dem 11kW-Lader in Kitzbühel bis zu 5,9 kW Ladeleistung erreicht. Damit dauert eine volle Ladung rund viereinhalb Stunden. Mit Gleichstrom ist beim Honda e eine maximale Ladeleistung von 56 kW möglich. An einer CCS-Schnellladestation kann damit in der Praxis in rund 40 Minuten von 0 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Dabei wird zu Beginn mit 50 kW geladen. Die Ladeleistung sinkt dann bis zum Ende stufenweise auf 20 kW ab. Da ich bei meinem Test an der Raststation Angath mit ziemlich vollem Akku ankam, SoC (State of Charge) lag knapp unter 70 Prozent, war nur noch eine Ladeleistung von 20 kW möglich. Die „My Honda“-App dient dazu, den Ladevorgang zu beobachten und zu steuern. Weiters kann man damit die Klimatisierung einstellen, das Auto orten sowie ver- und entriegeln.

ARMIN ON BIKE CONCLUSIO

Der Honda e ist aufgrund seiner Abmessungen und Wendigkeit ideal als Stadtflitzer geeignet. Der kleine Akku schränkt die Einsatzmöglichkeiten auf der Langstrecke etwas ein. Für durchschnittliche Tagesetappen ist die Reichweite jedoch vollkommen ausreichend. Der Preis des Testfahrzeuges in der Ausstattung Advance liegt in Österreich bei 39.380 Euro (abzüglich Förderung) – einziges darin enthaltenes Extra ist die Farbe „Modern Steel Metallic“. Dieser Betrag ist auch für einen komplett ausgestatteten E-Kleinwagen sehr ambitioniert. Das und die deutlich geringere Reichweite als bei den direkten Mitbewerbern mag der Grund dafür sein, dass die Verkaufszahlen des Honda e bisher weit hinter den Erwartungen geblieben sind. Für mich etwas verwunderlich, da der Wagen jede Menge Spaß bereitet und ein echter Hingucker ist.

Text und Fotos: Armin Hoyer – arminonbike.com

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