4. August 2021 Armin Hoyer

Mit der neuen Suzuki GSX-S1000 in den Dolomiten rund um Cortina d’Ampezzo

Suzuki GSX-S1000 at Giau Pass | Photo: Armin Hoyer - arminonbike.com

Cortina d’Ampezzo | Venetien – Nach einigen Jahren am Markt hat Suzuki die GSX-S1000 jetzt erstmals umfangreich überarbeitet. Von Tirol aus fuhr ich mit dem neuen Streetfighter nach Italien, um das Bike in den Dolomiten auf den zahlreichen Pässen rund um Cortina ausgiebig für Euch zu testen…

Suzuki Austria mit Sitz in Salzburg stellte mir die GSX-S1000 in der Farbe „Metallic Triton Blue“ für den Test zur Verfügung. Mit diesem Suzuki-Blau hat der japanische Hersteller im letzten Jahr die MotoGP, die Königsklasse der Motorradweltmeisterschaft, gewonnen. Die Neuauflage des Naked Bikes basiert auf dem im Jahr 2015 auf den Markt gebrachten Model und wurde sowohl optisch als auch technisch überarbeitet. Zusätzlich ausgestattet mit dem Zubehörpaket „Shine“ verfügte mein Testfahrzeug über eine Tacho- und Soziusabdeckung sowie ein Tankpad.

AB IN DEN SÜDEN

Mit Gepäck und Fotoausrüstung im Rucksack ging es von Kitzbühel über den Pass Thurn ins Salzburgerland und von dort weiter über die Felbertauernstraße nach Osttirol. Auf den breiten Straßen mit den vielen langgezogenen Kurven kam die S1000 richtig in Schwung und das Potential des Motors und Fahrwerks wurde schnell erkennbar. Kurz nach Matrei bog ich in das zauberhafte Defereggental ab, das mitten im Nationalpark Hohe Tauern liegt. Die Straße schlängelt sich leicht kurvig in das unberührte Hochgebirgstal. Kurz nach St. Jakob im Defereggental steigt sie in einigen Kehren deutlich an, um dann über der Baumgrenze wieder flacher verlaufend bis zum Obersee zu führen. Der Gebirgssee liegt am Staller Sattel auf einer Seehöhe von 2.016 Metern. Einige Meter höher befindet sich der Passübergang nach Südtirol. Auf italienischer Seite ist die Straße nur einspurig befahrbar. Daher gibt es eine Ampelregelung, die den Antritt einer Fahrt hinunter ins Antholzertal jeweils die ersten 15 Minuten einer Stunde möglich macht. Ich war kurz vor einer vollen Stunde oben angelangt und stellte mich vorne zu den Motorrädern in die erste Reihe.

Die Abfahrt auf der schmalen Straße war ein echter Genuss. Zuerst zwei und dann ein Bike vor mir, ging es zügig den Berg hinab. Die Bremsanlage der GSX-S packt kräftig aber nicht zu brutal zu. Ein Finger reicht vollkommen aus, um stets ausreichend Verzögerung zu erzielen. Im Tal vorbei am Antholzer See verläuft die Straße in langgezogenen Kurven bis zur Einmündung in das Pustertal. Richtung Westen ging es in dichtem Verkehr bis Toblach. Erster Höhepunkt war dann der Blick auf die legendären Drei Zinnen (Tre Cime di Lavaredo), dem Wahrzeichen der Dolomiten. Vorbei am Dürrensee (Lago di Landro) bog ich bald in das Boitetal (Valle del Boite) Richtung Cortina d‘Ampezzo ab. Die kurvenreiche Straße gab mir einen ersten Vorgeschmack, was mich in den nächsten beiden Tagen erwarten würde.

OPTIMIERTER REIHENVIERZYLINDER

Der 999 ccm-Vierzylinder der GSX-S1000 mit doppelten, obenliegenden Nockenwellen basiert auf dem Motor des Supersportlers GSX-R1000, mit dem zahlreiche Siege in der seriennahen Superbike-WM eingefahren werden konnten. Für den Streetfighter wurde dieser speziell für den Straßeneinsatz optimiert. Die neue Version verfügt schon bei niedrigeren Drehzahlen über ein höheres Drehmoment, was zu besserer Performance beim Beschleunigen aus niederen Geschwindigkeiten führt. Aber auch im mittleren und höheren Drehzahlbereich konnte das Drehmoment gesteigert und der gesamte Verlauf durch Glättung harmonischer gestaltet werden. Dies bringt eine noch gleichmäßigere Kraftentfaltung und bessere Beherrschbarkeit der hohen Leistung von 152 PS (112 kW) bei 10.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 106 Nm steht bei 9.250 U/min zur Verfügung.

SECHS DOLOMITENPÄSSE AUF ÜBER 2.000 METERN

Ich war am späten Nachmittag in Cortina d’Ampezzo angekommen. Der modäne Wintersportort liegt umrahmt von mehreren Dreitausendern inmitten der Ampezzaner Dolomiten und zieht auch im Sommer viele Gäste an. Zum noblen Flair der kleinen Stadt gehören die zahlreichen Designergeschäfte, die sich in der Fußgängerzone aneinander reihen. Am zweiten Tag stand eine Pässetour am Programm. Das Wetter war gut und so startete ich kurz nach dem Frühstück in Richtung Westen los. Beginnend im Ort stieg die Straße kontinuierlich an. Nach einer langgezogenen Kurve mit zwei großen Hotels bog ich links in Richtung Marmolata ab. Die GSX-S zeigte sich in den zahlreichen Kehren von ihrer besten Seite. Problemloses Einlenken in die engsten Kurven und sehr gute Spurstabilität auch bei geringer Geschwindigkeit machte das Erklimmen des ersten Passes zum reinen Vergnügen. Bald war auf 2.236 Metern Seehöhe der Giau Pass (Passo Giau) mit seinem herrlichen Bergpanorama erreicht. Zahlreiche Fahrzeuge von Ausflüglern säumten die Straße. In 29 Kehren schlängelte sich die Straße dann wieder zurück ins Tal nach Selva di Cadore.

Von Arabba ging es auf den nächsten Pass. 33 Kehren führen hinauf auf das Pordoijoch (Passo Pordoi), mit 2.239 Metern die zweithöchste durchgehend asphaltierte Straße über einen Gebirgspass in den italienischen Dolomiten und die Grenze zwischen Venetien und Trentino-Südtirol. Von dort weg trübte sich das Wetter etwas ein, es blieb aber durchgehend trocken. Nach der Abfahrt verließ ich Große Dolomitenstraße (SS 48) um Richtung Norden abzubiegen. Für eine Verschnaufpause war keine Zeit, denn es ging schon wieder in zahlreichen Kehren zur nächsten Passhöhe. Jedes Mal wieder fiel mir beim Herausbeschleunigen aus den Kurven auf, wie geschmeidig und gleichmäßig der Reihenvierzylinder der Suzuki seine Kraft entfaltet. In Kombination mit dem hervorragend funktionierenden Schaltautomaten war das Hochdrehen der einzelnen Gänge ein wahrer Hochgenuss. Und das alles umrahmt von den beeindruckenden Felsformationen der Dolomiten.

Schon bald war ich am Sellajoch (Passo Sella). Die Höhe des Passes wird offiziell mit 2.218 Metern angegeben, der höchste Punkt der Straße liegt jedoch auf 2.240 Metern. Kurz nach Erreichen bot sich mir ein wunderbarer Blick auf das hochaufragende Bergmassiv, das aus drei Gipfeln der Langkofelgruppe besteht und ein bekanntes Wahrzeichen der Dolomiten ist. Das straff abgestimmte Fahrwerk der Suzuki ist sehr ausgewogen und erlaubt auch auf schlechteren und welligen Straßenabschnitten eine zügige Gangart. Am Weg zum Grödner Joch (Passo Gardena) auf 2.121 Metern ragten direkt neben der Straße die zum Teil schwarz gefärbten Felswände senkrecht empor. Gemeinsam mit den durch die Gipfel ziehenden Nebelschwaden eine echt mystische Stimmung. Auch am Valparola-Pass (Passo di Valparola) bot sich mit den riesigen Felsbrocken entlang der Straße ein ganz eigenes Bild. Der auf 2.105 Metern einige Höhenmeter tiefer liegende Falzarego-Pass (Passo Falzarego) war der letzte Pass des Tages. Wieder auf der Großen Dolomitenstraße ging es hinunter nach Cortina d’Ampezzo. Am nächsten Tag fuhr ich über Lienz in Osttirol zurück nach Tirol.

ARMIN ON BIKE CONCLUSIO

Die Suzuki GSX-S1000 wurde in vielen Belangen nachgeschärft. Die deutlich aggressivere Optik mit den kantigen Linien stehen dem Streetfighter sehr gut. Der ohnehin schon lange bewährte Motor wurde im Detail weiter verbessert und ist jetzt noch geschmeidiger zu fahren. Die butterweichen Schaltvorgänge mittels Quickshifter machen dabei richtig Laune. In Österreich ist das Naked Bike ab 14.990 Euro erhältlich. Das erwähnte Ausstattungspaket „Shine“ gibt es derzeit zum Aktionspreis von 199 Euro. Aufgrund des äußerst attraktiven Preises der Suzuki mag man darüber hinwegsehen, dass das Elektronikpaket ohne Kurven-ABS und kurvenabhängiger Traktionskontrolle auskommen muss. Mir ist beim Test jedenfalls nichts abgegangen. Einzig das nicht mehr ganz zeitgemäße LCD-Display war gelegentlich etwas schlecht ablesbar und eine Außentemperaturanzeige wäre noch toll gewesen. Die GSX-S1000 hat sich als echte Fahrmaschine bewiesen und war durch ihre neutrale Fahrwerksabstimmung in jeder Situation gut beherrschbar. Der neue Look lässt sie zudem deutlich moderner wirken und passt so gut zum stimmigen Gesamtpaket.

Text und Fotos: Armin Hoyer – arminonbike.com

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