21. September 2019 ARMIN ON BIKE

Zero SR/F Laps the Alps | Eindrucksvolle Alpentour auf einem High End Elektromotorrad

Zero SR/F at Passo Sella | Photo: Armin Hoyer - arminonbike.com

Deutschland | Österreich | Italien – Mit dem Elektromotorrad Zero SR/F fünf Tage lang begleitet von vielen wunderbaren Eindrücken nahezu lautlos und ohne jegliche Abgase durch die Alpen fahren. Das war „Zero SR/F Laps the Alps“, ein erlebnisreiches Motorradabenteuer, welches gezeigt hat, wie problemlos man schon heute auf zwei Rädern die Alpen bereisen kann…

Nachdem ich das Elektromotorrad Zero SR/F in den Rottenmanner Tauern mit meiner Ducati Monster 821 verglichen hatte (hier geht´s zum Bericht…), stand diesmal eine größere gemeinsame Reise am Programm. Genauer gesagt die fünftägige Alpentour „Zero SR/F Laps the Alps“, die mich durch drei Länder und über zahlreiche österreichische und italienische Alpenpässe führte. In diesem Blog berichte ich Euch darüber, was ich dabei alles erlebt habe.

ALPENTOUR „ZERO SR/F LAPS THE ALPS“

Los ging´s montagmorgens bei trübem, herbstlichem Regenwetter im bayrischen Traunstein. Auto Arnold, der Zero-Vertragshändler für Südbayern und das Land Salzburg hatte eine Zero SR/F in der Premium-Version für mich vorbereitet. Die Ausstattung „Premium“ umfasst zusätzlich zur Standard-Version Heizgriffe, Alu-Lenkerenden, ein kleines Windschild und 6 kW Ladeleistung. Die Farbe „Seabright Blue“ passte wunderbar zum Eis und Schnee der kommenden Tage. Damit die Ausstattung an den persönlichen Einsatzzweck bzw. die genutzte Ladeinfrastruktur angepasst werden kann, befindet sich serienmäßig kein Ladekabel für den eingebauten Typ 2-Anschluss im Lieferumfang.

In Österreich und Italien benötigt man bei den weitverbreiteten 22kW Typ 2-Ladestationen ein eigenes Ladekabel. In Deutschland ist dieses fest mit der Ladestation verbunden und muss, vor allem für Motorradfahrer sehr praktisch, nicht extra mitgeführt werden. In Österreich und Italien verfügen nur die wesentlich seltener anzutreffenden 43kW Typ 2-Ladestationen über eigene Ladekabel.

Mir stand für meine Alpen-Tour ein einphasiges Typ 2-Ladekabel für maximal 3,6 kW Ladeleistung zur Verfügung, mit dem ich die mögliche Ladeleistung von 6 kW mit eigenem Ladekabel nicht voll ausschöpfen konnte. Dies änderte zwar meine Reiseplanung etwas, stellte jedoch im Nachhinein betrachtet kein größeres Problem dar. Weiters packte ich auf Anraten von Markus Arnold zur Sicherheit noch ein Ladekabel für den Anschluss an haushaltsübliche Schukosteckdosen in meinen Rucksack, was sich im Laufe der Reise noch als sehr nützlich herausstellte. Für das weitere Gepäck hatte ich ein Kriega US-20 Drypack am Sozius festgeschnallt, die Fotoausrüstung fand im sehr praktischen Tankfach Platz.

KITZBÜHEL DIE LEGENDÄRSTE SPORTSTADT DER ALPEN ERWARTETE MICH

So ausgestattet machte ich mich auf die Reise nach Tirol. Zuerst in den 74 Kilometer entfernten berühmten Wintersportort Kitzbühel, wo ich mit 45 % Akkuladung ankam. In der legendären Gamsstadt standen direkt vor dem Rathaus zwei 22 kW-Ladesäulen der Stadtwerke Kitzbühel zur Verfügung, an denen kostenlos aufgeladen werden kann. Während einer kleinen Essenspause lud ich mit 2,8 kW auf 79 % auf, womit mir prognostizierte 118 km Reichweite für meine Weiterfahrt nach Innsbruck zur Verfügung standen.

Auf den 93 km bis zum Marktplatz in Innsbruck verbrauchte ich im Eco-Modus bei normalem Reisetempo 62 % der Akkuladung. Mit 30 km Restreichweite, standen mir noch 5 km mehr zur Verfügung, als in Kitzbühel vorausberechnet. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt fuhr ich in die Sparkasse-Hörtnagl-Tiefgarage zum Laden. Karl Baumann, ein Tesla-Fahrer der ersten Stunde, borgte mir dort dankenswerterweise sein Typ 2-Ladekabel und so konnte ich an der IKB-Ladestation mit 5,7 kW Ladeleistung in rund einer Stunde 50 % aufladen.

Beim Fachsimpeln stellte sich heraus, dass Karl mit seinem Unternehmen gerade dabei ist, elektrisch angetriebene Segelyachten zu entwickeln. Der spätere Versuch mit einem Typ 2-Ladekabel von seinem früheren Elektroauto knapp 6 kW Ladeleistung zu erzielen scheiterte zwar, Karl zeigte mir jedoch in der an Innsbruck angrenzenden Gemeinde Völs am Parkplatz eines Einkaufszentrums eine 43kW Typ2-Ladestation mit fest verbautem Ladekabel, bei der ich mit seiner Ladekarte eine Probeladung mit 5,7 kW durchführen konnte.

ÖTZTALER GLETSCHERSTRASSE – DAS DACH MEINER ALPENTOUR AUF 2.830 METERN

In der Früh lag noch Nebel über Innsbruck, im sonnigen Götzens war es sehr frisch bei 6 Grad. Die Sonne erwärmte die Luft jedoch sehr rasch und so ging es bei 21 Grad mit 80 % Akkuladung und 119 km prognostizierter Reichweite los in Richtung Sölden. Den ersten Streckenabschnitt legte ich auf der Autobahn mit rund 100 km/h zurück, da ich schon am Vortag am Weg nach Innsbruck erkannt hatte, dass ab rund 120 km/h der Stromverbrauch stark ansteigt. Auch wusste ich nicht, welche Ladesituation mich in Sölden erwarten würde. Sportlich motiviert nach einem kurzen Zwischenstopp im Café Pole Position am Eingang zum Ötztal, fuhr ich dann die 30 km hinauf nach Sölden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 73,3 km/h. Die zum Teil kurvenreiche Strecke lud zum flotten Fahren ein, die vielen Ortsdurchfahrten senkten den Schnitt dann immer wieder.

Meine Ladestation beim Berghof Sölden erreichte ich nach 91 km Fahrt mit 11 % Akkuladung und einer Restreichweite von 14 km. Die etwas rasantere Gangart und die 600 Meter Anstieg hatten ziemlich am Akku gesaugt. Ich hatte nur eine Ladeleistung von 2,1 kW zur Verfügung und musste aus Zeitgründen entscheiden, ob ich lange lade, um mehr Reichweite für die Weiterfahrt zu haben, oder aber kürzer, um noch länger bei Tageslicht unterwegs sein zu können. So startete ich mit 48 % Akkuladung und einer Reichweite von 62 km meinen Gipfelsturm auf der Ötztaler Gletscherstraße. Die Auffahrt war für mich ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Noch nie zuvor war ich lautlos und mit der nicht enden wollenden Kraft eines E-Bikes vom Schlage der Zero SR/F durch eine verschneite Felsenlandschaft hinauf zu einem Gletscher wie dem Rettenbachferner gefahren.

Nach dem Rosi-Mittermaier-Tunnel, der zum Tiefenbachferner führt, erreichte ich den höchsten asphaltierten Punkt der Alpen auf 2.830 Metern Seehöhe. Es war so schön da oben in der Gletscherwelt, das atemberaubende Bergpanorama lud mich etwas zum Verweilen ein. Zum Abschluss durften ein paar Fahrtests auf Eis und Schnee nicht fehlen und kurz vor Sonnenuntergang ging es wieder zurück hinunter nach Sölden. Übernachten durfte ich bei Hubi, einem lieben Freund und seines Zeichens Präsident des Ducati Club Tirol Oberland. Laden konnte ich über Nacht an einer Steckdose in seiner Garage.

TIMMELSJOCH AUF 2.509 METERN – DAS TOR NACH ITALIEN

Gestartet in Tumpen im Ötztal, erreichte ich nach 46 Kilometern kurz nach Hochgurgl die Mautstation der Timmelsjoch Hochalpenstraße auf 2.175 Metern. Im Top Mountain Crosspoint befindet sich auch das höchste Motorradmuseum Europas. Nachdem es nochmal kurz bergab gegangen war, stieg die Straße in 11 Kehren bis hinauf auf 2.509 Meter. Das Timmelsjoch, das Tor zum Süden, war nach 54 Kilometern mit 54 % Akkuladung und einer Restreichweite von 69 Kilometern erreicht. Ich hatte auf dieser Strecke rund 1.600 Höhenmeter zurückgelegt, die Temperatur war auf 8 Grad gesunken.

Es stellte sich mir die Frage, wie ich die noch über 100 km nach St. Ulrich in Gröden anlegen sollte. Geplant war ein Ladestopp in Bozen. Aufgrund der ausgezeichneten Rekuperation der SR/F im Eco-Modus war es mir aber möglich, ohne Stopp bis zu meinem Ziel durchzufahren. Über Meran ging es nach Bozen auf 262 Metern Seehöhe. Dort erwarteten mich 28 Grad, also 20 Grad mehr als oben am Pass. Die SR/F hatte nach 117 Kilometern inklusive der 1.600 Höhenmeter auf das Timmelsjoch immer noch 36 % Akkuladung und eine prognostiziere Reichweite von 101 Kilometern.

Bis zu meinem Tagesziel in St. Ulrich waren es nur noch 50 Kilometer. So fuhr ich beruhigt weiter, hatte dabei aber nicht bedacht, dass auf meinem restlichen Weg nochmals knapp 1.000 Höhenmeter auf mich warteten. So wurde es am Ende noch ziemlich knapp und ich erreichte nach insgesamt 172 Kilometern mit 3 % Akkuladung und 4 Kilometern Restreichweite St. Ulrich in Gröden auf 1.230 Metern Seehöhe. Im Hotel Rodes wurde ich sehr freundlich empfangen und extra ein Kabel für mich ins Freie verlegt, damit ich wieder über Nacht an einer Steckdose aufladen konnte.

DURCH DIE DOLOMITEN VOM GRÖDENTAL BIS ZU DEN DREI ZINNEN

Am nächsten Tag machte ich mich am Vormittag auf den Weg durch das Grödental, um einige Dolomiten-Pässe zu erklimmen. Nach einem kurzen Fotostopp im Ziel der Saslong, der berühmten Ski Weltcup Abfahrtstrecke der Herren in Gröden, ging es durch St. Christina in Gröden bis zum Fuße des Sellajochs. Es bot sich mir die wunderschöne Kulisse der schroff aufragenden Dolomiten. Nach 1.000 Höhenmetern war ich am „Passo Sella“ auf 2.218 Metern angekommen. Weiter ging es nach einer Abfahrt hinauf auf das Pordoijoch, welches mit 2.239 Metern der zweithöchste durchgehend asphaltierte Pass in den italienischen Dolomiten ist. 58 % Akkuladung und 72 Kilometer Reichweite hatte ich nach den beiden Pässen noch zur Verfügung.

Nach einem weiteren Pass, dem „Passo di Falzarego“ auf 2.105 Metern, erreichte ich nach genau 100 Kilometern den mondänen Wintersportort Cortina d´Ampezzo mit 40 % Akkuladung. Um das weitere 130 Kilometer entfernte Tagesziel in Heiligenblut am Fuße des Großglockners zu erreichen, war ein Ladestopp erforderlich. Ich hatte dafür den Ort Toblach im Hochpustertal ausgewählt, der auch als das „Tor zu den Dolomiten“ bezeichnet wird, da sich dort eine 43 kW Typ 2-Ladestation mit fix verbundenem Ladekabel befindet. Davor hatte ich noch einen weiteren Pass, den „Passo Tre Croce“ auf 1.809 Metern, zu bewältigen, den ich mit 31 % Akkuladung erreichte. Vorbei am berühmten Bergmassiv „Drei Zinnen“ in den Sextner Dolomiten kam ich nach 140 Kilometern mit 40 Kilometern Restreichweite in Toblach nahe der österreichischen Grenze an.

Nach einer Stunde Laden mit 5,7 kW an einer Alperia-Ladestation machte ich mich bei 22 Grad Außentemperatur mit 73 % Akkuladung und einer Reichweite von 153 Kilometern über Lienz in Osttirol auf den Weg nach Heiligenblut. 90 Kilometer später kam ich dort mit 10 % Akkuladung und 13 Kilometern Restreichweite an. Der Temperaturrückgang auf 12 Grad und einige Höhenmeter hatten dafür gesorgt, dass sich die Reichweite gegenüber der Vorhersage um ein Drittel reduziert hatte. Laden konnte ich auch in dieser Nacht dankenswerterweise wieder an einer Schukosteckdose meines Quartiers, diesmal das Hotel Rupertihaus in Heiligenblut mit Blick auf den Großglockner.

DER GROSSGLOCKNER – KRÖNENDER ABSCHLUSS EINER AUSSERGEWÖHNLICHEN REISE

Nachdem schon zahlreiche Motorradfahrer lautstark am Balkon meines Hotelzimmers in Heiligenblut vorbei gefahren waren, machte ich mich zu Mittag bei 18 Grad auf meine lautlose und abgasfreie Art und Weise auf den Weg hinauf zum höchsten Berg Österreichs. Es war Freitag und ein strahlend schöner Tag, dem entsprechend viele Fahrzeuge waren unterwegs auf der Großglockner Hochalpenstraße. Kein Vergleich zu dem Tag Anfang Juni, an dem ich mit der Zero DS als erster Elektromotorradfahrer der Saison fast ganz alleine auf der hochalpinen Straße unterwegs war (hier geht´s zum Bericht…).

Die erste Etappe führte mich wieder von Heiligenblut bis hinauf zur Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern Seehöhe. Nach knapp über 1.000 Höhenmetern und 19 Kilometern kam ich mit 84 % Akkuladung dort oben an. Die Ladestationen nahm ich daher diesmal nicht in Anspruch, es ging direkt wieder hinunter zum Kreisverkehr und dann hinauf auf das Hochtor. Der auf 2.504 Metern gelegene Pass verbindet Kärnten und Salzburg. 73 % zeigte die Ladeanzeige der SR/F in Kombination mit 96 Kilometer Restreichweite. Das nächste Ziel war die Edelweißspitze, mit 2.575 Metern der höchste Punkt der Großglockner Hochalpenstraße.

Dort oben mit 68 % gestartet, hatte ich bei der Mautstation Ferleiten durch die Rekuperation wieder 73 % Akkuladung zur Verfügung. Vom Gefühl her vergleichbar mit der Motorbremswirkung eines Verbrenner wird dabei Energie in den 14,4 kWh-Lithium-Ionen-Akku der SR/F rückgeführt. Durch vorausschauende Fahrweise und möglichst wenig eigener Betätigung der Bremsen kann der Effekt noch gesteigert werden. So konnte ich die noch zu fahrenden 108 Kilometer über Zell am See zurück nach Traunstein ohne Ladestopp bewältigen und kam dort nach 166 Kilometern mit 7 % Akkuladung an. Insgesamt hatte ich damit in den letzten fünf Tagen 919 problemlose und genussvolle Kilometer mit der Zero SR/F zurückgelegt.

ARMIN ON BIKE CONCLUSIO

Die fünftägige Alpentour mit der Zero SR/F hat gezeigt, dass es mit etwas Vorbereitung sehr gut möglich ist, mit einem Elektromotorrad mehrere Tage in den Bergen zu reisen. 170-180 Kilometer mit bis zu 3.000 Höhenmetern sind ohne Ladestopp möglich. Wenn man eine Ladepause von 1-2 Stunden (mit 12 kW bzw. 6 kW Ladeleistung) an einer 22 kW Typ2-Ladestation einlegt, kann man die Reichweite verdoppeln. 350 Kilometern in den Bergen reichen dann für eine ausgedehnte Tagesetappe vollkommen aus. Wenn die gewählte Unterkunft nicht über eine eigene Ladesäule verfügt, empfiehlt es sich über Nacht an einer gewöhnlichen Schukosteckdose zu laden. Dadurch erspart man sich nach einer langen Tour am Abend noch extra eine Stromtankstelle zum Laden aufzusuchen.

Ansonsten verfügt das High End E-Bike aus Kalifornien über alle technischen Features vergleichbarer Premium-Verbrenner. Die Spitzenleistung von 82 kW und das Drehmoment von 190 Nm, welches ab der ersten Motorumdrehung zur Verfügung steht, verleihen der SR/F beeindrucke Beschleunigungs- und Durchzugswerte, die ihresgleichen suchen. Ich kann Euch daher nur empfehlen, diese neue Form der Mobilität einmal auszuprobieren und dabei in den Genuss dieser sanften und zugleich kraftvollen Form des Reisens zu kommen.

Text und Fotos: Armin Hoyer – arminonbike.com

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