27. August 2020 ARMIN ON BIKE

Fortissimo vom Allerfeinsten | Test der neuen MV Agusta Brutale 1000 RR im Salzkammergut

Armin on MV Agusta Brutale 1000 RR | Photo: arminonbike.com

Salzkammergut | Oberösterreich – Mit dem neuesten Modell der Brutale-Reihe baut der italienische Motorradhersteller MV Agusta auch wieder Vierzylinder in seine Naked Bikes ein. Die erste Brutale 1000 RR ist im Juni in Österreich angekommen. Ich durfte die Hyper Naked einen Tag lang für Euch testen, ein exklusives Erlebnis der ganz außergewöhnlichen Art…

Die MV Agusta Brutale 1000 RR ist das stärkste Naked Bike am Markt. Sie wurde im hauseigenen Design-Zentrum des Motorradherstellers, dem Castiglioni Research Centre (CRC) mit Sitz in San Marino entwickelt. Im Werk in Varese wird jedes Exemplar von jeweils einem Techniker händisch zusammengebaut und nach Abschluss der Arbeiten mit einer Namensplakette signiert.

Zweirad Ginzinger ist mit der Firma MGH Austria seit 2018 offizieller Importeur und auch Händler der italienischen Edelmarke MV Agusta. Ich durfte mir die erste MV Agusta Brutale 1000 RR in Österreich direkt in der Zentrale in Ried im Innkreis für einen Tag abholen. Nach kurzer Erklärung vom Verkaufsleiter Patrick fuhr ich mit großer Ehrfurcht los in Richtung Salzkammergut. Mein erstes Ziel war Gmunden am Traunsee.

SUPERSPORTLER OHNE VERKEIDUNG

Die Sitzposition ist sehr sportlich mit Orientierung in Richtung Vorderrad ausgelegt, die Fußrasten hoch angeordnet. Gleich fiel mir auf, wie unkompliziert die Hyper Naked zu fahren ist. Die Kraftentfaltung ist sehr geschmeidig, das Einlenkverhalten in Kurven sehr angenehm. In gewissen Drehzahlbereichen ist ein leichtes Vibrieren des Lenkers zu verspüren.

MV Agusta hat seinen Reihenvierzylinder mit 998 cm³ kräftig überarbeitet. Er leistet jetzt 208 PS bei 13.450 U/min und es steht ein maximales Drehmoment von 116,5 Nm bei 11.000 U/min zur Verfügung. Inspiriert vom Rennsport ist eine Semi-Trockensumpfschmierung verbaut, die für niedrige Reibungswerte auch unter extremen Fahrbedingungen sorgt. Weiters steigern Titanpleuel und besonders reibungsarme Kolbenringe die Performance. Neu sind Kurbelwelle und Ventilführung, Nockenwelle und Ansaugtrakt wurden überarbeitet.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut MV Agusta jenseits der 300 km/h-Marke, im Zulassungsschein stehen 305 km/h. Um dieser Geschwindigkeit gewachsen zu sein, verfügt die Brutale 1000 RR über seitliche Winglets, die ab 200 km/h den Anpressdruck am Vorderrad deutlich erhöhen sollen und das Bike ist insgesamt stark nach vorne geneigt.

HIGH-END ELEKTRONIK

Neu ist auch die Elektronik. Es stehen vier unterschiedliche Motor-Mappings zur Verfügung, die Gasempfindlichkeit, Drehmoment, Motorbremswirkung und -ansprechverhalten sowie Eingriffsintensität des Drehzahlbegrenzers steuern. Die Fahrmodi „Rain“, „Sport“ und „Race“ sind für die jeweilige Fahrsituation vorkonfiguriert, „Custom“ ist individuell einstellbar. Unabhängig vom Fahrmodus ist die Traktionskontrolle in acht, das ABS in zwei Stufen zu justieren. Die Wheelie-Kontrolle kann aktiviert oder deaktiviert werden. Die Informationen erhalten die elektronischen Helferlein von der Inertial Measurement Unit (IMU), die die exakten Bewegungsdaten des Motorrads liefert.

Von Gmunden ging es weiter über die Großalmstraße nach Steinbach am Attersee. Bis 4.500 U/min verhält sich der Motor der MV unauffällig ruhig, der Sound steigt dann immer mehr an, um ab 9.000 U/min in ein herrlich lautes Brüllen überzugehen, welches in der Musik mit „Fortissimo“ bezeichnet wird. Die Beschleunigung ist in diesem Drehzahlbereich nur mit brachial zu beschreiben, der Gasgriff im öffentlichen Straßenverkehr sehr mit Bedacht zu betätigen.

Will man auf der Landstraße das Leistungspotential des Reihenvierzylinders ständig abrufen und dabei im halbwegs legalen Geschwindigkeitsbereich unterwegs sein, ist man am besten im zweiten und dritten Gang unterwegs. Cruisen im fünften und sechsten ist sehr gut machbar, da sich die Brutale auch im unteren Drehzahlbereich ganz ohne Ruckeln bewegen lässt.

FAHRWERK UND BREMSEN

Es sind nur die edelsten Komponenten verbaut. Das elektronische Fahrwerk von Öhlins, bestehend aus Upside-Down Gabel mit Titannitrit-Beschichtung, zentralem Federbein hinten und Lenkungsdämpfer, ist voll einstellbar und passt sich den jeweiligen Fahrgegebenheiten an.

Verzögert wird am Vorderrad mit Brembo Stylema Bremssätteln mit jeweils vier 30 mm-Kolben, montiert auf zwei schwimmend gelagerten 320 mm-Scheiben, hinten ist eine 220 mm-Scheibe verbaut. Von Bosch kommt das ABS 9 Plus mit Race-Modus und RLM (Rear wheel Lift-up Mitigation). Die Bremsleistung ist in jeder Situation überragend und lässt keinerlei Wünsche offen.

KONNEKTIVITÄT

Die Anzeige des 5-Zoll TFT-Farbdisplay der Brutale 1000 RR ist gegenüber früheren Modellen sehr aufgeräumt und übersichtlich gestaltet. Neben dem zentral angeordneten Drehzahlmesser, Tachometer und Ganganzeige, kann man rechts daneben zwischen unterschiedlichen Ansichten wählen, um diverse Informationen abzurufen oder Einstellungen vorzunehmen.

Mit der kostenlosen App „MV Ride“ lässt sich über Bluetooth das Smartphone sehr einfach mit dem Motorrad verbinden. Es können Telefonate geführt, Nachrichten empfangen und Musik abgespielt werden. Auf der App geplante Reiserouten werden der Displayansicht „Map“ mittels Satellitennavigation angezeigt. Richtungspfeile mit Entfernungsangaben weisen übersichtlich den Weg, womit ich von Beginn an sehr gut zurechtkam. Von Weißenbach am Attersee über die Großalmstraße und Gmunden fand ich damit leicht den Weg zurück nach Ried im Innkreis.

ARMIN ON BIKE CONCLUSIO

Die MV Agusta Brutale 1000 RR ist ein echter Supersportler. Mit fahrfertig knapp 200 kg und einer Leistung von 208 PS ergibt sich ein überragendes Leistungsgewicht von 1,05 PS pro Kilogramm. Ausgestattet mit besten Komponenten und der neuesten Elektronik ist sie dabei sehr handlich zu fahren. Richtig brutal wird es erst in den oberen Drehzahlregionen, die im Straßenverkehr nur mit großer Umsicht einsetzbar sind. Will man das volle Potential bedingungslos ausschöpfen, sollte man dies auf einer Rennstrecke tun.

Bei der Brutale 1000 RR handelt es sich um ein sehr exklusives Motorrad. Mit einem Preis von 36.790 Euro (Österreich) und geringen Stückzahlen wird es auf unseren Straßen leider nur selten zu sehen sein. Von dem der Serie vorangegangen limitierten Sondermodell „Brutale 1000 Serie Oro“ wurden in Österreich ganze drei Stück verkauft. Die insgesamt 300 produzierten Exemplare sind bereits restlos ausverkauft.

Text, Fotos und Video: Armin Hoyer – arminonbike.com

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